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Mitteilungsblatt EBG Nr. 409, Feb. 2018 weiterlesen ... >

Menschen aus dem Quartier erzählen

«Bilder, die sprechen»: Christian Frehner, Künstler

Rund 18 beheizte Räume werden im Geissenstein als Ateliers, Büros oder Hobbyräume an Mitglieder der EBG vermietet. In diesen Räumen wird genäht, gewerkelt, gemalt oder Klienten beraten, gecoacht und behandelt. In einem dieser Ateliers an der Dorfstrasse trifft man auch Christian Frehner an. künstlerische Begabung von Christian Frehner zeigte sich bereits in seiner Kindheit. Bei einem längeren Spitalaufenthalt im Alter von 11 Jahren greift er zu Stift und Papier und zeichnet, was er von seinem Bett aus zu sehen bekommt. Er beobachtet seine Umgebung, versucht diese genau wahrzunehmen und wiederzugeben. Er ist fasziniert von Farben und Formen. Seine Neugier und seine feine Beobachtungsgabe helfen ihm, die Welt zu entdecken und Dinge einzuordnen. Nach der obligatorischen Schulzeit besucht er das Lehrerseminar mit dem Ziel, sich anschliessend an der Kunstgewerbeschule zum Zeichnungslehrer weiterzubilden. Heute arbeitet er zu 50 % als Lehrer für Gestaltung am Gymnasium in Engelberg, um daneben noch Zeit als freischaffender Künstler zu haben. Regelmässig nimmt er an Ausstellungen teil, erst kürzlich zeigte er seine Werke in Luzern und Giswil. Christian ist vielseitig in seinem Ausdruck: Zeichnen, Malen, Fotografieren, je nachdem, wie er seine aktuellen Themen am besten umsetzen kann. Sich selber stellt er nicht gerne in den Vordergrund – lieber lässt er seine Bilder sprechen. Er freut sich, wenn sich jemand von ihnen berühren lässt, dadurch etwas auf eine neue Weise sehen und die eigenen Wahrnehmungsgrenzen überschreiten kann. Auf die Frage, warum er sich künstlerisch betätigt, antwortet er: «Weil ich es muss....!» Künstler zu sein, ist für ihn mehr als ein Beruf, es ist seine Berufung. So nahe an seinem Wohnort gestalterisch tätig sein zu dürfen, ist für ihn ein Privileg. Die kostengünstige Miete des Raums hilft ihm, sich ein Atelier überhaupt leisten zu können, was in einer Stadt wie Luzern nicht mehr selbstverständlich ist. In einer Siedlung wie der EGB zu leben, hat für Christian auch einen ideellen Wert. Er sieht die Genossenschaft als Gemeinschaftswerk, welches Menschen verschiedener Generationen ermöglicht, auf qualitativ hohem Niveau preiswert zu wohnen. Es gibt hier keine Immobilienhändler die versuchen, auf Kosten der Mieter hohe Gewinne zu erwirtschaften. Er geniesst die tolle Lage und den dörflichen Charakter des Quartiers. Schon als Kind haben ihn die alten Häuserreihen an der Dorfstrasse fasziniert. Dass er später einmal selbst da leben würde, konnte er sich damals noch nicht vorstellen! Wenn Christian etwas ändern dürfte, würde er die vielen wild parkierten Autos vom Wohnbereich in den Untergrund verschieben. Fussgänger und Kinder in ihrem Spieldrang sollten klar Vorrang auf dem beschränkten freien Platz im Quartier haben! Vielleicht würde der Geissenstein dadurch ja noch etwas farbiger und lebendiger.... Eisenbahnersohn Christian Frehner, 42, ist im Langensandquartier aufgewachsen. Sein Grossvater und sein Vater waren «Isebähnler» und schon früh Mitglied der EBG, wohnten selber jedoch nie im Geissenstein. Auch dank ihnen konnte Christian 2003 nach dem Abschluss seiner Ausbildung auf Anhieb eine kleine Zweizimmerwohnung im Quartier beziehen. Heute lebt er am Waldweg. Interview: Marlis Notter

Katrin Stedtler: «green-company», ein neues Blumenhaus an der Dorfstrasse 10

Der Vater von Ruth Fries, Angestellter der SBB, wuchs im «Isebahnerdörfli» auf und wohnte später mit seiner Frau am Hügelweg, als 1934 die kleine Ruth geboren wurde. Seit 80 Jahre lebt sie im Geissenstein und ihre Augen leuchten, wenn sie von früheren Zeiten erzählt. Das war echt eindrücklich: Während dem Interviewtermin mit dem «Geissensteiner»-Redaktor nimmt die Floristin scheinbar zufällig die eine oder andere Pflanze aus den Töpfen und von hier und dort eine Blüte. Parallel zum Gespräch entsteht so ein wunderschöner Blumenstrauss. Warum geht das scheinbar mühelos? «Schon als Kind habe ich mich gerne kreativ mit Blumen beschäftigt und hatte den Berufswunsch Floristin. Nach einer Lehre in einer ganz andern Sparte habe ich mir vor 25 Jahren meinen Traum erfüllt und in meiner Heimat einen Blumenladen eröffnet,» erklärt Katrin Stedtler.  Im Schaufenster an der Dorfstrasse 10 steht ein altes Gartentor, das sie im Quartier gefunden hat. Der vermeintliche Güsel hat eine neue Aufgabe als Ladeneinrichtung gefunden. Katrin Stedtler meint: «Ich habe sofort den Nutzen erkannt. Im Gegensatz zu früher ist es heute möglich, alle Pflanzen, Farben und Materialien zusammenzuführen.» «green-company» bietet alle Dienstleistungen eines zeitgemässen Blumenladens an. «Von der einzelnen Rose bis zum grossen Blumenarrangement und das rasch und unkompliziert», lacht die Besitzerin. Weiter berät sie ihre Kundinnen und Kunden über einen schönen Blumenschmuck zur Hochzeit, zur Taufe oder die Trauerfeier und erstellt Tischdekorationen fürs Familienfest. Ihre umfangreichsten Beratungen finden ausserhalb des Ladens statt, wenn sie für Wohnungen oder ganze Firmensitze Bepflanzungskonzepte erstellt. Floristik ist keine geheime Kunst sondern ein kreativer Akt, der interaktiv erlebbar ist. Katrin Stedtler bietet monatlich Kurse zu verschiedenen Themen rund um Blumen, Pflanzen und Dekoration an (siehe Homepage «www.green-company-luzern.ch»). Für 2018 ist zudem ein Kurs geplant, der sich explizit an Kinder richtet. Bestellungen nimmt der Blumenladen an der Dorfstrasse 10 auf per Mail entgegen und die bestellten Produkte werden selbstverständlich nach Hause geliefert. «green-company»: Das ist die Inhaberin Katrin Stedtler Katrin Stedtler ist in der Nähe von Norden aufgewachsen, ganz in der Nähe zur Nordsee und den ostfriesischen Inseln (Norderney). Sie lebt seit fünf Jahren als Floristin in der Schweiz. Im August 2017 eröffnete sie ihr Blumengeschäft «green-company» an der Dorfstrasse 10 in Luzern. Sie ist erreichbar über Internet «www.green-company-luzern.ch», Tel. 079 931 58 87 oder per E-Mail «mail@green-company-luzern.ch». Präsent ist sie zudem auf diversen Social Media Kanälen.

Patience Douglas: Das Beste aus beiden Kulturen in sich vereinen

Der Vater von Ruth Fries, Angestellter der SBB, wuchs im «Isebahnerdörfli» auf und wohnte später mit seiner Frau am Hügelweg, als 1934 die kleine Ruth geboren wurde. Seit 80 Jahre lebt sie im Geissenstein und ihre Augen leuchten, wenn sie von früheren Zeiten erzählt. Auch im Geissenstein leben Menschen aus verschiedenen Nationen. Nicht immer ist der andere kulturelle Hintergrund so offensichtlich, wie bei Patience Douglas und ihrer Familie. Patience ist vor 5 Jahren zu ihrem Mann Enock aus Ghana in die Schweiz gezogen. Ihrem Mann war die Schweiz schon bestens vertraut, er lebt seit 27 Jahren hier, 20 Jahre davon im Geissenstein.  Für seine Frau war es ein grosser Schritt, weg von ihrer vertrauten Heimat in einer afrikanischen Millionenstadt, hin zu einem beschaulichen Quartier einer Kleinstadt. Weg auch von einer Grossfamilie, hin zu einem Leben zu Zweit. Bald vergrössert sich die Familie und die beiden Töchter kommen zur Welt. Hier wachsen sie auf – zwischen Luzern, als Basis ihres Alltags, und Ghana im Herzen ihrer Eltern. Patience fühlt sich im Geissenstein sehr wohl und akzeptiert. Sie schätzt die ruhige und friedliche Umgebung, die freundliche Nachbarschaft und die Sicherheit, die das Quartier ihr und ihren Kindern bietet. Sie liebt die Gartenarbeit und den Kontakt mit den freundlichen Nachbarn. Wenn es aus Patience Küche nach ghanaischer Kost duftet, spürt man beim Vorbeispazieren einen Hauch afrikanischer Atmosphäre. An der schweizerischen Küche liebt sie besonders Kartoffelsalat und Rösti. Ihre berufliche Tätigkeit in Ghana war im Hotelbereich. Dadurch hatte sie Kontakt mit Menschen aus verschiedenen Kulturen. Ihr ist es wichtig, viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, trotzdem vermisst sie manchmal den Ausgleich in ihrem Beruf. Mit dem Wegzug aus Ghana hat sie viele Vorteile ihres umfangreichen sozialen Netzes zurückgelassen. So fehlt es in einer afrikanischen Grossfamilie nie an geeigneter Kinderbetreuung. Das erlebt sie hier anders. Kinderhorte sind zwar vorhanden, kosten in der Schweiz aber viel Geld. Etwas, an das sich Patience Douglas gewöhnen muss, ist der andere Umgang mit Zeit. In der Schweiz wird Vieles weit im Voraus geplant. Spontan jemanden zu besuchen oder mal einen längeren Schwatz zu halten, ist nicht einfach. Beziehungen, Begegnungen und Austausch haben in afrikanischen Kulturen einen hohen Stellenwert – manchmal halt auch auf Kosten von Perfektionismus. Patience lernt zurzeit intensiv deutsch. Mit ihren Kindern spricht sie zu Hause ihre Muttersprache Ashanti und Englisch. Die ältere Tochter besucht bald schon den Kindergarten und es wird wohl nicht lange dauern, bis sie ihre Mutter sprachlich unterstützen kann. Und was wünscht sich Patience für die Zukunft ihrer Kinder? Etwas was sich die meisten Eltern wohl wünschen: Eine gute Schulbildung und einen Beruf, der zu ihnen passt. Was sie aber ihren Kindern zusätzlich vermitteln möchte, sind Empathie, Respekt und Toleranz allen Menschen gegenüber, egal aus welchem Kontinent sie stammen. Und ihre Töchter sollen einmal das Beste aus beiden Kulturen in sich vereinen können, wo immer sie auch später leben werden.

Ruth Fries: Geschichte und Geschichten

Der Vater von Ruth Fries, Angestellter der SBB, wuchs im «Isebahnerdörfli» auf und wohnte später mit seiner Frau am Hügelweg, als 1934 die kleine Ruth geboren wurde. Seit 80 Jahre lebt sie im Geissenstein und ihre Augen leuchten, wenn sie von früheren Zeiten erzählt. Man spürt, wie sehr sie mit dem Ort verbunden ist. «Schön ist es hier», sagt sie, «so grün und ruhig, selbst die Luft scheint reiner zu sein als unten in der Stadt!»  Man kann sich die kleine Ruth gut vorstellen, wenn sie schildert, wie die zahlreichen Kinder viel Platz und Zeit zum Spielen hatten. Die Strasse gehörte ihnen, es gab noch kaum Autos. In den 176 Wohnungen lebten damals rund 600 Personen. Jede Familie bebaute einen Pflanzplätz, was während dem Krieg für viele existentiell war. Bei Herrn Burri am Waldweg konnte man für 2 Rp. Setzlinge beziehen. Im Hühnerhof daneben wurden die Eier gekauft und die Milch lieferte der Milchmann bis zum Haus. Es existierte zu dieser Zeit bereits ein kleiner Konsum-Laden, alles andere mussten sich die Frauen aber zu Fuss in der Stadt besorgen. Erst ab 1948 fuhr ein Bus ins Geissenstein.  Das Dörfli war von Anfang an ein lebendiger Begegnungsraum, wo die Mütter sich zum Stricken auf dem Spielplatz trafen. Eine Freiluftbahn am Höhenweg lud zu Kegeln ein und in der Bibliothek im alten Bock lieh man sich die neuesten Bücher aus.  Bis 1952 besuchten die Kinder die Primarschule im Moosmattschulhaus. Für die Sekundarstufe mussten die Jugendlichen zu Fuss ins Museggschulhaus am andern Ende der Stadt. Und dies jeden Tag. Dass Ruth die Ausbildung zur Kindergärtnerin besuchte, war ein Entscheid der Eltern. Bereits Ihre Mutter wollte als junge Frau das Lehrerseminar besuchen. Der damalige Rektor aber winkte ab mit dem Hinweis, dass sie als Frau ohnehin keine Chance hätte. Die Ausbildungsplätze seien den Männern vorbehalten, da diese  schliesslich später eine Familie ernähren müssten... So wurde ihre einzige Tochter Ruth ins Kindergärtnerinnen-Seminar nach Ebnat-Kappel geschickt. Dass ihr dieser Beruf entsprach und sie ihn während 42 Jahren mit Freude und Hingabe  ausübte, glaubt man ihr sofort. Wohl über Tausend Kinder wurden dank ihrer kreativen und lebendigen Art gefördert und auf die Schule vorbereitet. Ihr Anfangslohn betrug damals gerade mal CHF 300.– im Monat. Damit konnte sie sich keine eigene Wohnung leisten – auch nicht im Geissenstein(!) – und so zog sie wieder bei ihren Eltern ein.  Heute geniesst Ruth Fries mit ihren beiden Katzen ihre eigene Wohnung im Dorfzentrum. Nicht mehr als Kinder- sondern als Gärtnerin widmet sie sich  ihren vielen Topfpflanzen und ihrem Pflanzplätz. Und sie hegt und pflegt ihre Schützlinge genau so sorgfältig und liebevoll wie damals ihre Kindergärtler. Ruth Fries ist dankbar, hier leben zu dürfen. Einzig etwas mehr einheimische Pflanzen würde sie sich im Quartier wünschen sagt sie mir zum Schluss... Altgeissensteinerin Ruth Fries (83) gehört zu der kleinen Gruppe von Geissensteinerinnen und Geissensteinern, die man fast schon als «Ureinwohnerinnen» bezeichnen könnte. Ihr Grossvater Josef Fries, ehemaliger Lehrer im Moosmattschulhaus, übernahm von 1931 bis 1942 das Präsidium der EBG. Ruth Fries wohnt, mit Ausnahme von drei Jahren, seit ihrer Geburt im Quartier. Interview: Marlis Notter
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